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Erleichterungen im Bilanzrecht für Kleinstunternehmen in Kraft getreten

Zum 28.12.2012 ist das Gesetz zu Erleichterungen für Kleinstkapitalgesellschaften bei der Rechnungslegung (MicroBilG) in Kraft getreten. Wie das Bundesjustizministerium am 28.12.2012 mitgeteilt hat, reduziert sich damit der Umfang der Daten, die Kleinstunternehmen in den Jahresabschluss aufnehmen müssen, erheblich. Bilanzierungs- und Offenlegungspflichten seien merklich abgesenkt worden. Zudem müsse der Jahresabschluss nicht mehr im Bundesanzeiger veröffentlicht, sondern lediglich hinterlegt und dann auf Anfrage Dritter kostenpflichtig zur Verfügung gestellt werden. Die Neuregelungen gelten für alle Geschäftsjahre, deren Abschlussstichtag nach dem 30.12.2012 liegt, erstmals also für Geschäftsjahre mit dem Abschlussstichtag 31.12.2012.

Unternehmen mit geringen Umsätzen bisher durch Rechnungslegung stark belastet

Kleinstbetriebe, die in der Rechtsform einer Kapitalgesellschaft oder einer Personenhandelsgesellschaft ohne voll haftende natürliche Personen organisiert sind, unterlagen bisher umfangreichen Vorgaben für die Rechnungslegung. Bei Unternehmen mit sehr geringen Umsätzen und Vermögenswerten lösten diese Vorgaben laut Bundesjustizministerium oft eine deutliche Belastung aus. Gleichzeitig konzentriere sich das Interesse Dritter an Jahresabschlüssen häufig auf die Nachfrage weniger Kennzahlen. Grundlage für die jetzigen Erleichterungen sei die im Frühjahr 2012 in Kraft getretene Micro-Richtlinie (2012/6/EU). Diese erlaube es den Mitgliedstaaten erstmals, für Kleinstkapitalgesellschaften Erleichterungen im Bereich der Rechnungslegungs- und Offenlegungsvorschriften zu gewähren.

Unternehmen müssen für Entlastungen bestimmte Merkmale erfüllen

Von der Entlastung können nach Angaben des Justizministeriums alle Kleinstkapitalgesellschaften profitieren, die an zwei aufeinander folgenden Abschlussstichtagen zwei der drei nachfolgenden Merkmale nicht überschreiten: Umsatzerlöse bis 700.000 Euro, Bilanzsumme bis 350.000 Euro sowie durchschnittliche zehn beschäftigte Arbeitnehmer.

Verzicht auf Bilanzanhang und Optionen zu geringerer Darstellungstiefe

Inhaltlich sehe das Gesetz vor, dass Kleinstunternehmen auf die Erstellung eines Anhangs zur Bilanz vollständig verzichten können, wenn sie bestimmte Angaben (unter anderem zu Haftungsverhältnissen) unter der Bilanz ausweisen. Darüber hinaus würden weitere Optionen zur Verringerung der Darstellungstiefe im Jahresabschluss eingeräumt, zum Beispiel vereinfachte Gliederungsschemata. Kleinstkapitalgesellschaften könnten künftig wählen, ob sie die Offenlegungspflicht durch Veröffentlichung (Bekanntmachung der Rechnungslegungsunterlagen) oder durch Hinterlegung der Bilanz erfüllen. Zur Sicherung eines einheitlichen Verfahrens werde die elektronische Einreichung der Unterlagen beim Betreiber des Bundesanzeigers auch für die Hinterlegung vorgeschrieben. Im Fall der Hinterlegung könnten Dritte – wie in der Richtlinie vorgegeben – auf Antrag (kostenpflichtig) eine Kopie der Bilanz erhalten.

Weiterführende Links

Aus dem Nachrichtenarchiv

Kleinstunternehmer werden in Bezug auf Bilanzierungspflichten entlastet, Meldung der beck-aktuell-Redaktion vom 03.12.2012, becklink 1023785

Gesetzentwurf: Vereinfachte Bilanzvorschriften sollen Kleinstunternehmen entlasten, Meldung der beck-aktuell-Redaktion vom 19.09.2012, becklink 1022493

Kabinett bringt Entlastungen für Kleinstkapitalgesellschaften auf den Weg, Meldung der beck-aktuell-Redaktion vom 02.08.2012, becklink 1021694

beck-aktuell-Redaktion, Verlag C.H. Beck, 7. Januar 2013.